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in Petra Öllingers virtueller Wohnung


Könnten Müssen Könnten

Kürzlich war in einer österreichischen Tageszeitung in der Rubrik Reise folgendes zu lesen: Für Literaturliebhaber ist die Region seit langem ein Muss: Nördlich von Gmunden in Ohlsdorf liegt der Bauernhof, der den provokanten Schriftsteller Thomas Bernhard beherbergte.

Ich frage mich, ob Strobl auch einmal zu einem Muss für Literaturliebhaber und -innen (auf letztere hat man in dem österreichischen Medium vergessen) werden würden könnte. Immerhin, den Ansatz für ein zukünftiges literarisches Muss – nach dem Motto: wenn du dort nicht gewesen bist, dann kennst du gar nichts aus der Literaturwelt – gibt es bereits seit 1999: die Strobler Literaturtage. Es wären nicht Schriftsteller und -innen, fänden sie nicht auch im Salzkammergut-Berglandschaft umrahmten Sommerfrische-Ort etwas zu nörgeln, zu meckern, zu kritisieren – Thomas Bernhard wurde als provokant bezeichnet, mag sein, dass er es auch war – und zu entdecken. Und so trafen sich 1999 Literaten und -innen unter dem Leitsatz Die Idylle ist gefährlich. Wobei der Grundtenor der Gefährlichkeit in den darauffolgenden Veranstaltungsjahren quasi erhalten geblieben ist. 2001 frönten zehn Kreative dem Deutschsprachigen Kriminalroman. Heuer wagten sie sich auf das marktwirtschaftliche Parkett – nicht ungefährlich: AutorInnen als Produkt. Und auch dieses Mal: es wären nicht Schriftsteller und -innen, fänden sie nicht auch im Salzkammergut-Berglandschaft umrahmten Sommerfrische-Ort etwas zu nörgeln, zu meckern, zu kritisieren – und zu entdecken…

Eine Stätte der Erholung als Schatzkästlein für die schreibende Zunft! Und mitten in den Recherchen zu neuen Geschichten, fällt auf, welche Gratwanderung sie angetreten haben. Denn Schriftsteller und -innen sind kritische Geister – naturgemäß, wird zumindest von ihnen angenommen, siehe Thomas Bernhard. Beliebt – und förderungswürdig – sind sie meist nur handzahm. Also, unbeliebt machen und an lauschigen Natur-und-Heimat-Oberflächen kratzen, die etwas vom nicht verblassenden k.u.k Glanz abbekommen wollen? Vorsicht: Wer kratzt, dem gehen die braunen Risse in der Zwischen-Salzburg-und-Bad Ischl-Operettensüße nicht mehr aus dem Kopf – und steht häufig vor einem Des wird bei uns ned glesn! oder wahlweise einem finanziellen Desaster. Oder handzahm über etwas ganz anderes schreiben? Beispielweise über den Erholungswert des satten Grüns, dass dem müden großstädtischen Geist und Auge zur Erholung gereicht? Stellt sich noch die Frage, wo die Plünderung und anschließende Verarbeitung der Ideen stattfindet? In der Isolation der Künstlerklause eines Bildungsinstitutes? Oder sollen sich die Provokanten und Handzahmen an die Leute im Ort heranpirschen? Oder sich anbiedern? Oder das Vorurteil mancher bestätigen, wonach die Großkopferten aus da Stod eben nur großkopfert seien und meinten, immer alles besser zu wissen und besser zu können und besser…. Aber wenn doch in dem Heimatbuch steht… kontern die forschen Schreibenden und machen sich auf die Suche nach Geeignetem. Sie kleben an der Strandpromenade, stromern über den Friedhof, stehlen Augenblicke aus dem Alltag. Was bleiben sie schuldig, wenn sie wieder abreisen, in ihren Reisetaschen, Koffern und Salzkammergut-Konsum Plastiksäcken die Ideen und Gedanken verstaut, wozu sie Strobl inspiriert hat? Die Hoffnung, dass Strobl zu einem literarischen Muss werden muss.