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Irene Wondratsch – Paris im Fieber wäre mir lieber
© Petra Öllinger
erschienen an.schläge – das feministische Magazin, Juli/August 2002
Da tummelt sich Allerlei auf dem sehr ungewöhnlichen Cover. Da tummeln sich auch viele Mosaiksteinchen zum Lebensbild einer Frau. Den Lebensthemen-Reigen von Liebe, Diskussionen mit Ernest Hemingway, großen Händen, Kröten namens Esmeralda oder krakeliger Schrift beginnt die Erzählerin mit gezücktem Bleistift auf einem Kamel reitend. Sogar am Schluss, als sie beinahe zur Gänze von einem Krokodil verschlungen wird, lässt sie sich nicht vom Schreiben abhalten. Zwar als Roman bezeichnet, wirft die Autorin Irene Wondratsch alle Kennzeichen eines solchen über den Haufen. Kein linearer chronologischer Ablauf, stattdessen skurril-witzige Blitzlichter auf Alltägliches, das manchmal in etwas ungewohnter Form auf die LeserIn zukommt. Da macht sich die Heldin beispielsweise auf in die Sommerfrische und plötzlich kommt ihr bei Böheimkirchen eine Herde Kürbisse auf kurzen, aber kräftigen Beinen entgegen. Besonders spaßig: die Liebesnacht mit dem Krampus (die leider auch nicht erfüllend ist) oder die Rache des Däumlings, wenn ihn seine Unterkunftgeberin nicht ausreichend mit Karamellbonbons füttert (und er sie zur Strafe nach Simmering umleitet, obwohl sie ja nach Ottakring will). Dann gibt es da noch Ludwig, der sich ärgert über haar-verstopfte Abflüsse oder darüber, dass seine Liebste sich mit dem Haus in die Lüfte aufschwingt. Ob er sich auch ärgert, weil die LeserInnen bei der Lektüre der phantasievoll-kuriosen Texte beschwingt glucksen vor Lachen?
Irene Wondratsch: Paris im Fieber wäre mir lieber. Edition die Donau hinunter, 2002
