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Gabriele Habinger – Eine Wiener Biedermeierdame erobert die Welt

Lebensgeschichte der Ida Pfeiffer (1797 – 1858)

© Petra Öllinger
erschienen in an.schläge – das feministische Magazin, Juni 2003

Mit Spitzenhäubchen, langem Rock – beinahe drängen sich die Bezeichnungen bieder und konservativ auf – erweckt(e) Ida Pfeiffer keineswegs den Eindruck einer Frau, die sich im 19. Jahrhundert fünfmal auf den Weg macht, die Welt zu erkunden, oft für viele Jahre. 1842, Ida Pfeiffer ist bereits 44 Jahre, bricht sie zu ihrer ersten Reise ins Heilige Land auf. Kurz zuvor hatte sie ihren Mann, einen zunehmend erfolglosen und die Familie in finanziellen Ruin getriebenen Rechtsanwalt, verlassen. Viele ihrer Reiseziele ergeben sich zufällig, die Reiseroute wird durch das billigste Transportmittel bestimmt. Ihre Unternehmungen finanziert sie einerseits durch die Veröffentlichung ihrer Berichte. Sie schickt ihre Tagebücher in unregelmäßigen Abständen nach Wien, für den Fall, dass ihr selbst etwas zustößt. Eine Angst, die keineswegs unbegründet ist. So beschließt die Reiselustige beispielsweise auf Sumatra bis zu den freien, wilden Battakern, unter die Kannibalen zu gehen. Weniger gefährlich sind ihre Besuche in den Harems.Deren Schilderungen gehören zum Standardrepertoire und den Texten reisender Europäerinnen, so die Herausgeberin der Pfeifferschen Lebensgeschichte, Gabriele Habinger. Andererseits bringt ihr der Verkauf der gesammelten ethnographischen Objekte, Insekten und Pflanzen das benötigte Geld teilweise ein. Einige der Stücke sind heute beispielsweise im Museum für Völkerkunde in Wien zu sehen. Zu kritisieren ist, wie Gabriele Habinger bemerkt, Pfeiffers eurozentrierte Sichtweise an der Verhalten, Rituale, politische und soziale Verhältnisse der besuchten Menschen gemessen werden. Das Buch über die zähe und disziplinierte Reisende, deren Rastlosigkeit sich mit zunehmender Dauer und Anzahl ihrer Unternehmungen steigerte und die 1858 in Wien an der Folgen einer schweren Malariaerkrankung starb, erschien bereits 1997. Und ist nach wie vor eine ausgezeichnete Ergänzung zu den fünf Reiseberichten der zähen Biedermeierdame.

Gabriele Habinger: Eine Wiener Biedermeierdame erobert die Welt. Die Lebensgeschichte der Ida Pfeiffer (1797 – 1858). Promedia, 2003