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Alexandra Johnson – Wie aus dem Leben Geschichten entstehen

Tägliche Schnappschüsse

© Petra Öllinger
erschienen in an.schläge – das feministische Magazin, April 2003

Viele tun es. Kaum eine gibt es zu. Einige hoffen. Und zwar darauf, dass ihre geheime Leidenschaft entdeckt wird und ihnen zum Ruhm gereicht – dem Schreiben von Tagebüchern. Warum jedoch geheim bleiben? Alexandra Johnson zeigt wie und wo persönliche Notizen gesammelt werden und einen reichhaltigsten Fundus an Basisideen für literarische Arbeiten bieten. Dabei muss nicht immer das dicke, in kostbares Leder oder Leinen gebundene Buch herhalten. Auch Einkaufszettel, Papiersackerl oder Briefkuverts können als Sammelstelle dienen. Wer schon einmal verzweifelt wichtige Erinnerungsstücke in ihren Aufzeichnungen suchte, ist mit dem Tagebuch-Registrier-System bestens beraten. Überhaupt, wer sagt denn, dass frau nur ein einziges Werk benutzen darf. Warum es nicht einmal je mit einem Nacht-, einem Weisheits- und einem Zitatenbuch versuchen? Alexandra Johnson, Dozentin für Kreatives Schreiben in Harvard und Wellesley, gibt viele konkrete Übungen vor. Kleiner Wermutstropfen: Konkrete Übungsbeispiele finden sich nicht bzw. sind mitten in den Texten verstreut, und manche Anregung ist erst im dritten Anlauf zu verstehen. Außerdem wir die Leserin mit vielen unbekannten Namen traktiert. Möchte sie sich genauer mit ihnen bzw. deren Werken beschäftigen, wird’s mühsam – es fehlt ein Literaturverzeichnis. Trotzdem: es besteht durchaus die Gefahr, dass Menschen, die mit täglichen Schnappschüssen wenig anfangen können, infiziert werden mit dem kreativen-Tagebuch-Schreiben-Virus. Jene, die es bereits erwischt hat, finden gute Ideen. Auf das die Leidenschaft nicht geheim bleibt!

Alexandra Johnson: Wie aus dem Leben Geschichten entstehen. Vom Tagebuch zum kreativen Schreiben. Pendo, 2003