Herzlich Willkommen
in Petra Öllingers virtueller Wohnung
Herta Kratzer – Die unschicklichen Töchter
Frauenporträts der Wiener Moderne
© Petra Öllinger
erschienen in evolver, Oktober 2003
Sehr löblich, wenn sich Autorinnen, Wissenschafterinnen und viele andere darum bemühen, Frauengeschichte zu thematisieren, sie sichtbar zu machen. So auch der Versuch Hertha Kratzers, dem Leben von Lina Loos, Ea von Allesch, Bertha Eckstein-Diener, Frida Strindberg, Wanda von Sacher-Masoch und Milena Jesenská nachzuspüren. Ihr Bemühen (oder gab es da keines darum?), diese Frauen aus den männlichen Schatten zu lösen, ist jedoch gescheitert. Keine Milena Jesenská ohne ausführlichst auf Kafka einzugehen, beinahe überschreitet die Länge des Kafka-Lebens-Berichts jene über die engagierte Journalistin. Nicht anders bei Frida Strindberg – immer im gleichen Atemzug mit August Strindberg genannt, so als wäre die Frau ohne ihn nichts gewesen. Immer wieder entschuldigende Sätze in Bezug auf das oft mehr als neurotische Verhältnis dieser Männer zu Frauen. Entwürdigendes, menschenverachtendes Verhalten wird versucht zu psychologisieren. Das Leben der unschicklichen Töchter ist teilweise wie ein Who ist who in der damaligen Glitzerwelt aufbereitet, obwohl sich diese Frauen mehr Schwerpunkt-Setzung auf ihre EIGENE Persönlichkeit verdient hätten. Für Einsteigerinnen in dieses Gebiet einigermaßen brauchbar, für Kennerinnen bieten “Die unschicklichen Töchter” nicht wirklich Neues.
Herta Kratzer – Die unschicklichen Töchter. Frauenporträts der Wiener Moderne. Ueberreuter, 2003
