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Macht- und Leistungsaspekte in der Kommunikation

© Petra Öllinger
(erschienen in Psychologie in Österreich, Wiener Universitätsverlag, Wien, 1999)

Zusammenfassung

Schlagworte wie Emotionale Intelligenz, Soziale Kompetenz rücken immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit, vor allem, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit im Arbeitsleben geht. Diese Forderungen zeigen sich aber nicht nur im menschlichen Verhalten, sondern finden ihren Ausdruck auch im sprachlichen Bereich. Die möglichen Ursachen unterschiedlicher Stilmerkmale werden versucht zu eruieren sozialpsychologischen und linguistischen Bereich. Jedoch scheinen andere Komponenten wie Macht und Dominanz (Eigenschaften, die eher Männern zugeschrieben werden) eher von Erfolg gekrönt zu sein als die „typischen“ weiblichen Attribute wie Einfühlungsvermögen und Hauptaugenmerk auf Beziehung im Gespräch.

Untersuchungsergebnisse zeigen, daß weder der typisch weibliche noch der typisch männliche Stil als das Patentrezept für Erfolg definiert werden kann. Sprache entwickelt sich in einem sozialen und politischen Kontext, sodaß Gesprächsstrukturen auch als Abbild gesamtgesellschaftlicher Verhältnisse betrachtet werden. Anhand besonderer Merkmale werden Unterschiede im Sprachverhalten deutlich. Wobei oft die weibliche Sprache als defizitär betrachtet wird; Differenz-Defizit. Verschiedenheit zeigt sich besonders deutlich, wenn Faktoren, die Macht- und Dominanzverhalten determinieren, betrachtet werden. Besonders im Bereich des Arbeitsplatzes wird immer wieder auf das angebliche Unvermögen von Frauen hingewiesen, ihre Kompetenzen verbal ins rechte Licht zu rücken, Autorität auszuüben.
Kommunikation funktioniert nicht nur auf verbaler Ebene. Man kann nicht nicht kommunizieren. Die Aussage Watzlawicks verdeutlicht, daß Elemente auf nonverbaler Ebene von ebenso großer Wichtigkeit sind. Das Verhältnis zwischen rangunterschiedlichen Personen zeigt sich nicht nur in Aussagen, sondern auch in der Körperhaltung und Blickkontakt. Man kann jemanden dominieren, ohne expliziten verbalen Ausdruck. Jedoch erscheint es effizienter zu sein, nicht an einem Defizit anzusetzen und eine Anpassung der Frauen an männliche Kommunikationsweisen zu erzwingen, sondern die verbalen Stärken der Frauen zu fördern.

1. Einleitung

Sie wollen sich selbstbewußt präsentieren, sich behaupten und aus verbalen Auseinandersetzungen als GewinnerIn hervorgehen? Sie wollen Angriffe locker abwehren und zielbewußt und siegreich agieren? In diesem Seminar können Sie Methoden und Mittel trainieren, die Sie dazu befähigen, sich und Ihre Ideen ins rechte Licht zu rücken, anderen das Wort abzuschneiden, zu manipulieren, offensiv zu agieren und Ihre Strategien erfolgreich umzusetzen.
Mit diesem Text warb eine Volkshochschule in Wien im Semester 1998/1999 für einen Kurs mit dem Namen Kampf-Rhetorik. Sowohl der Titel als auch die vermittelnden Inhalte sprechen dafür, daß aggressives und kämpferisches Verhalten in der Kommunikation zum Erfolg führen. Ein Sprachstil, der in der westlichen Kultur meistens Männern zugeschrieben wird. Frauen zeichnen sich durch ein anderes Sprachverhalten aus. Jedoch impliziert diese Differenz auch die Zuschreibung eines Mankos, der weibliche Stil gilt als defizitär. Wie auch in anderen Bereichen, die sich mit Geschlechtsunterschieden beschäftigen, zum Beispiel Leistung, kommen auch im Kommunikationsbereich sogenannte Differenz- bzw. Defizithypothesen zur Anwendung. In dieser Arbeit soll zuerst ein allgemeiner Überblick über die sprachlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen gegeben werden. Weiters beschäftigt sich der Artikel mit den Auswirkungen in einem Bereich, in dem es oftmals besonders wichtig ist, eigene Ansichten und Meinungen durchzusetzen, Anordnungen zu erteilen, die eigene (machtvolle, autoritäre, führende) Position zu vertreten, auch um den Preis, die Zuneigung anderer zu verlieren: im Berufsleben. Dabei wirken sich sprachliche Unterschiede darauf aus, ob jemand einen Job erhält oder nicht, auf Gehaltsverhandlungen, auf eine eventuelle Beförderung, auf das Ausüben von Autorität.

Nicht nur die Psychologie, auch die Sprachwissenschaft untersucht unterschiedliches Kommunikationsverhalten. Aus Sicht der feministischen Linguistik wird zum Beispiel das dominante Verhalten von Männern in Gesprächen gegenüber Frauen als Widerspiegelung der gesellschaftlichen, sozialen und politischen Dominanz betrachtet. Sprachgebrauch ist nicht angeboren, sondern erlerntes Sozialverhalten. Erlerntes Rollenverhalten zeigt sich somit auch in der Kommunikation.

2. Ausgewählte Unterschiede im sprachlichen Verhalten zwischen Frauen und Männern, Differenz und Defizit

Immer wieder finden sich in den zahlreichen Studien zum unterschiedlichen Sprachstil typische Unterscheidungen zwischen Frauen und Männern. Während Frauen in ihren Gesprächen die Schwerpunkte bei Nähe und Gleichheit setzen, neigen Männer dazu, Statusunterschiede herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten (Wahlmann, 1993). Frauen verwenden eine freundlichere Sprache, wobei diese Höflichkeit oft mit Unaufdringlichkeit, Unterwürfigkeit, Unsicherheit und Verharmlosung gleichgesetzt wird. Der Sprachstil von Frauen wird als kooperativ, personenbezogen und harmoniefördernd bezeichnet, hingegen neigen Männern dazu, sich selbstbezogen, sachorientiert und konfrontativ zu verhalten (Gunther & Kothoff, 1991). Die unterschiedlichen Kommunikationsstile werden jedoch nicht als gleichwertig definiert. Sprachverhalten von Frauen wird oftmals als defizitär und jenes der Männer als richtig betrachtet. Anhand einiger ausgewählter Unterscheidungsmerkmale soll dieser Defizitansatz näher erläutert werden.

3. Macht, Kompetenz, Leistung und die Auswirkung der unterschiedlichen Sprachstile

Im Berufsleben macht sich ein immer härter werdender Konkurrenzkampf breit. Um erfolgreich zu sein, ist es notwendig, Fähigkeiten und Leistungsvermögen in ein möglichst gutes Licht zu stellen. Allerdings reicht ein Vorhandensein von Kompetenzen nicht aus. Auffälligkeit und die Aufmerksamkeit anderer auf sich lenken, sind ebenso vonnöten. Dieses Vorgehen ist umso wichtiger, je höher die zu erreichende Stelle ist. Führungspositionen sind gekoppelt mit der Ausübung von Macht. Besonders dabei wird Frauen immer wieder Unfähigkeit vorgeworfen, die scheinbar auf den oben genannten Merkmalen basieren. Betrachtet man diesen Begriff aus sozialpsychologischer Sicht, wird deutlich, daß damit nicht ausschließlich die Unterdrückung anderer Menschen gemeint ist, sondern auch andere Komponenten beinhaltet sind, wofür der weibliche Sprechstil eigentlich förderlicher wäre.

3.1. Macht

In der Sozialpsychologie wird Macht definiert als Kontrolle über Verstärker und Strafreize. Eine mächtige Person kann Belohnung und Bestrafung anderen vorenthalten oder erteilen. Eine aktive Kontrolle ist wichtiger als der Erhalt dieser Reize. Damit einher geht Macht. Lakoff (1975, zitiert nach Gunther & Kothoff, 1991) betont immer wieder, daß Frauen, bedingt durch ihren Sprachstil machtlos sind und bleiben. Ihnen wird somit der Zugang zu Verstärkern verwehrt. Vor allem interessiert in der Frauenforschung wie in der Interaktion Verhältnisse von Macht und Unterordnung (re-) produziert werden.

Im weitesten Sinn kann Macht auch als Fähigkeit oder Möglichkeit betrachtet werden, auf die Einstellung eines anderen Menschen einzuwirken. Faktoren, die eine Änderung beeinflussen können sind unter anderem:

3.2. Leistung und Kompetenz

In mehreren Studien wurde die Variable Fachwissen manipuliert, dabei hatten kompetente Personen mehr Erfolg als inkompetente (Busch Wilson, 1976; Woodside & Davenport, 1974; zitiert nach Kirchler, 1995). Man könnte weiter ausführen und mit Tannen (1996) konform argumentieren, daß jemand, der hinsichtlich des Sprachstils ähnlich ist, als kompetent eingestuft wird.

Die Ergebnisse könnten nun zu der Annahme verleiten, daß sowohl Frauen als auch Männer bei der Betonung ihres Könnens gleich erfolgreich sind. Allerdings sind die oben genannten Resultate mit Vorbedacht zu interpretieren. Bei den Studien handelte es sich um Interaktionen zwischen Verkäufern und Kunden. Schwieriger gestaltet sich die Situation für Frauen, wenn Fachwissen gegenüber einem Vorgesetzten oder unterstellten Mitarbeitern bewiesen werden muß. Ein Hervorheben der eignen Fähigkeiten ist für Frauen jedoch nach wie vor nicht akzeptabel. Häufig findet man bei Frauen die Einstellung, daß schon irgend jemand einmal die Leistung anerkennen und belohnen wird, irgend jemand wird meine nicht geäußerten Wünsche erkennen.

Die Folgen einer solchen Einstellung sind bekannt: Frauen werden bei Beförderungen übergangen, weil sie sich nicht aktiv darum bemüht haben, daß ihr Einsatz belohnt wird. Aus den selben Gründen bleiben Gehaltserhöhungen aus. Die Liste ist beliebig fortsetzbar. Tannen (1996) schildert die Situation von Frauen, die große Leistungen in Unternehmen erbrachten, aber das Gefühl dabei hatten, daß man sie oben nicht wahrnahm. Unterschiedlicher Sprachstil bedingt neben anderen Faktoren auch Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen. Es fällt auf, daß weibliche Bewerberinnen diverse Ausbildungen etc. oft nicht im Lebenslauf erwähnen, diese unter den Tisch fallen lassen. Befragt man sie genauer, hört man immer wieder Argumente wie: Ach, den Sekretärinnenkurs habe ich auch gemacht. Aber das ist schon so lange her. Ich dachte das sei nicht wichtig. Kaum eine Frau kommt auf die Idee, die Tätigkeiten, die sie innerhalb der Familie leistet, als Familienmanagement zu bezeichnen, obwohl die Komplexheit dieser Aufgaben durchaus an die einer Firmenorganisation heranreichen.

Nicht immer ist die Qualität des Gesagten ausschlaggebend, vielfach kommt die Quantität des Redebeitrages zum Tragen. Wer viel redet, gilt als kompetent. Kommt es dabei auf den Inhalt an oder nur die Menge, die von einer Person gesprochen wird? Untersuchungen in der Sozialpsychologie zu dieser Fragestellung bieten interessante Antworten. Dabei wurde festgestellt, daß Personen, die zwar wenig sprachen, deren Beiträge aber schnell und effizient zum Ziel führten, schlechter bezüglich Führungseigenschaften eingeschätzt wurden, als Leute, deren Anteil an den Diskussionen relativ hoch war, aber die Qualität nicht besonders hervorstechend. Die besten Beurteilungen erhielten Personen, deren qualitativer und quantitativer Anteil hoch war, unwesentlich schlechter wurden aber auch jene mit hoher Quantität und geringer Qualität beurteilt (Regula & Julian; Sorrentino & Boutillier, 1975, zitiert nach Herkner, 1991). Erklärungsansätze bieten die von Sorrentino und Boutillier formulierte Motivationshypothese bzw. die Auffälligkeitshypothese nach Slas und Diskell.

4. Autorität und Dominanz im Gespräch

Oft werden autoritäres und dominantes Verhalten im Gespräch auf makrogesellschaftliche Strukturen zurückgeführt. Männliches Dominanzverhalten beim Sprechen spiegelt die gesellschaftliche Situation wider. Unterbrechungen und Themenkontrolle werde als Faktoren der Machtausübung im Gespräch charakterisiert. Autorität wird nach wie vor mit Männlichkeit gleichgesetzt, sodaß Frauen besonders in Führungspositionen sich männliche Verhaltensweisen aneignen (müssen), um bestehen zu können. Lakoff (1975, zitiert nach Maltzer & Bork, 1991), sieht die Geschlechterrollen als entscheidend für eine psychologische Erklärung an. Im wesentlichen vertritt sie die Ansicht, daß Frauen, denen man damenhaftes Verhalten antrainiert hat, tatsächlich genauso unsicher und unselbständig werden, wie sie wirken sollen. Sie müssen zwei inkompatible Rollen miteinander verknüpfen: die eines Erwachsenen und einer Frau. Männer unterbrechen Frauen öfter in Gesprächen. Das Abschneiden des Wortes wird häufig als Dominanzverhalten der Männer gegenüber Frauen erlebt. Wichtig ist jedoch, folgendes hervorzuheben. Unterbrechungen, die zum Beispiel in Form von Fragestellungen erfolgen, können auch ein besonders großes Interesse am Gesprächspartner zeigen, kann als Stilmerkmal wertfrei gekennzeichnet werden. Dominanzverhalten zeigt sich dann, wenn Frauen in gleichberechtigten Gruppen und bei denselben Verhaltensweisen unterbrochen werden. Frauen verfügen in gemischtgeschlechtlichen Gruppen über weniger Redezeit und müssen sich diese auch öfter erkämpfen als Männer.

4.1. Frauen und der Umgang mit der eigenen Autorität im Gespräch

Tannen zeigt in dem Buch Job Talk sehr deutlich auf, wie verfänglich der Umgang mit Autorität im sprachlichen Bereich für eine Frau ist. Auch wenn ihr hoher Status klar determiniert ist, scheint es in vielen Fällen üblich, daß sie ihre Standpunkte immer wieder neu vertreten und klarstellen muß.

In Aufforderungen, daß darin eine besondere Herausforderung für Frauen liegt, weil ihr Gesprächsstil im Widerspruch zur Ausübung von Autorität steht, verfestigt jedoch das Bild eines defizitären Verhaltens. Das Einholen von Meinungen und Ratschlägen bei anderen wird nicht als Möglichkeit betrachtet, Mitarbeiter und deren Erfahrungen und Einstellungen in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen. Dieses Vorgehen hinterläßt vielmehr, auch bei den untergebenen Mitarbeitern, den Eindruck von Schwäche und Unbeholfenheit, denn kurzangebundene Befehle gehören weitestgehend noch immer zum Image einer Führungsperson. Weiters zeigt sich in der Kommunikation, wie eine Frau in ein Dilemma gerät, wenn sie sich dem gängigen (zumeist männlich geprägten) Bild der Autoritätsausübung anpaßt. Wenn sie selbstsicher auftritt und kompromißlos ihre Ansichten vertritt, wenn sie in Auseinandersetzungen aggressiv reagiert, dann gilt sie als unweiblich und macht sich unbeliebt, zumeist bei beiden Geschlechtern. Betrachtet man die Ausführungen zum interaktionistischen Führungsstil im Bereich der Sozialpsychologie, so wird die Widersprüchlichkeit zwischen dem den Frauen zugeschriebenen Unvermögen und den effizienten Faktoren dieses Stils offensichtlich.

Nachdem man vom personenzentrierten Ansatz (Frage nach der Führerpersönlichkeit) abgekommen ist, liegt das Hauptaugenmerk auf der Interaktion zwischen Führer und Geführten. Nicht mehr die Eigenschaften der Autoritätsperson sind alleine ausschlaggebend, sondern die Qualität des Agierens und Reagierens. Von einer führenden Person wird erwartet, daß sie in das Interaktiongeschehen auf positive Art eingreift (Herkner, 1991). Der Anteil dieser Person an Gesprächen sollte angeblich möglichst hoch sein. In Verbindung mit den oben genannten Untersuchungen zur Quantität des Redebeitrages, stellt sich die Frage, ob es immer zielführend ist, wenn die Beiträge der leitenden Person überwiegen. Auf positive Art in das Gespräch einzugreifen bedeutet, die Stimmung in einer Disskusionsgruppe zu erkennen, in adäquater Weise zu argumentieren und nicht immer das Wort an sich reißen. Gespräche, deren Ziel die Lösung eines Problems darstellen, sollen nicht als Arenen für Wettkämpfe gelten. Schulz von Thun (1999) spricht auch von sogenannten Oberhandtechniken im beruflichen Bereich, die dazu dienen, unliebsame Konkurrenz auszuschalten. Dazu zählt er Unterbrechungen, aber auch das Ignorieren und Übergehen von Gesprächspartnern. Wichtig erscheint es dabei zu unterscheiden, ob Personen sich in gemischtgeschlechtlichen oder gleichgeschlechtlichen Gruppen befinden. Aries führte diesbezüglich Untersuchungen durch und fand dabei sozialisationsbedingte und gesellschaftliche Ursachen für unterschiedliches Dominanzverhalten von Frauen und Männern (vgl. Kothoff und Gunther, 1991).

5. Nonverbale Kommunikation als Ausdruck von Dominanz

Auf nonverbaler Ebene sind Rangunterschiede ebenfalls zu erkennen. Trotzdem werden Verhaltensweisen wir Blickkontakte, Berührungen etc. trivialisiert bzw. unterschätzt, wenn es um die Aufrechterhaltung von Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern geht (Henley, 1984). Als wichtige Variable in der nonverbalen Kommunikation stellt sich der Blickkontakt heraus. Die Unterscheidung zwischen Anschauen während man spricht und während man zuhört ist dabei bedeutend. Einer Person wird mehr Dominanz und Macht zugeschrieben je größer ihr Anteil des Anschauens beim Reden ist als beim Zuhören. Frauen bemühen sich eher darum, den Blickkontakt mit dem Gesprächspartner aufrecht zu halten, auch wenn sie zuhören.

Anstarren wird als Geste der Dominanz verstanden, den Blick abwenden, gilt als Unterwerfungsgeste. Henley (1984) stellt in ihrem Artikel einige Verhaltensweisen gegenüber, die typisch für Dominanz (männliche)- und Unterwerfungsgesten (weibliche) sind. Dominanz über eine andere Person kann durch Berührungen, Unterbrechungen, Ausbreitung im Raum auf Kosten anderer, dem Aussenden strenger Blicke zum Ausdruck gebracht werden. Demgegenüber reagiert die dominierte Person mit sich-berühren-Lassen, der Abgabe des eigenen Wortes, dem Zurücktreten und dem Anlächeln.

Nichtverbale Verhaltensweisen können eine doppelte Funktion haben (Henley, 1984), woraus sich die fatale Situation ergibt, daß die Betroffenen nicht wissen, ob es sich um das Ausüben von Macht oder eine Form von Intimität handelt. Diese doppelte Natur macht es möglich, eine Machtgeste nachträglich als eine freundschaftliche zu definieren und dadurch den Protest für die Empfängerin sehr zu erschweren. (S. 43).

6. Diskussion

Betrachtet man die Ergebnisse der sozialpsychologischen Untersuchungen, läßt sich nicht exakt vorhersagen, ob der weibliche oder der männliche Gesprächsstil geeigneter erscheint, positive zu interagieren, Autorität zu zeigen etc. Vielmehr scheint eine Mischung aus beiden zum Erfolg zu führen. Nach wie vor wird der weibliche Stil als defizitär beurteilt. Die Forderung, Frauen sollten sich eben ihrer Leistungen bewußter werden und diese auch klar und deutlich zum Ausdruck bringen, erscheint mir etwas zu kurz gegriffen. Sprachdifferenzen spiegeln sozialpolitische Differenzen wider, sodaß es für die einzelne Person schwierig ist, makrogesellschaftliche Strukturen zu durchbrechen. Maßnahmen zielen darauf ab, wie schon eingangs erwähnt, daß der Sprachstil von Frauen nach wie vor als nicht gleichwertig mit denen von Männern betrachtet wird. Motto: nur wenn die Frauen lernen, so zu reden wie Männer, dann sind sie erfolgreich. Kundenberatungen und Betreuungen sind von Erfolg gekrönt, wenn der Gesprächspartner auf Kunden eingehen können. Motivation im Betrieb kann erhöht werden, wenn Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden. Ein Einholen von Informationen und das Feststellen der Bedürfnisse sind höchst wichtig, um zufriedene Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen. Dabei ist es wichtig, die Fähigkeiten zu verknüpfen, sowohl eine persönliche Beziehung zum Kommunikationspartner aufzubauen als auch die eigene Kompetenz zu vermitteln.

In den oberen Führungsetagen von Firmen ist nicht mehr nur inhaltliches Wissen ausschlaggebend. Bedeutender sind informelles Wissen, Motivationsfähigkeit und andere soziale Fertigkeiten; Aspekte die vor allem Frauen zugeschrieben werden. Viele Programme für Frauen, die den Weg ins Berufsleben (wieder-) finden müssen, setzen zum Beispiel bei Bewerbungstrainings an, in denen nicht vermittelt wird, daß die Teilnehmerinnen an einem Defizit leiden ob ihrer Kommunikationsmerkmale, sondern auf deren Stärken aufbauen.

Literaturverzeichnis

Aries, E. (1984). Zwischenmenschliches Verhalten in eingeschlechtlichen und gemischtgeschlechtlichen Gruppen. In S. Trömel-Plötz (Hrsg.), Gewalt durch Sprache. Die Vergewaltigung von Frauen in Gesprächen (S. 39-47). Frankfurt: Fischer.

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Henley, N. (1984). Nichtverbale Kommunikation und die soziale Kontrolle über Frauen. In S. Trömel-Plötz (Hrsg.), Gewalt durch Sprache. Die Vergewaltigung von Frauen in Gesprächen (S. 39-47). Frankfurt: Fischer.

Herkner, W. (1991, 5., korrigierte und erweiterte Auflage). Lehrbuch Sozialpsychologie. Bern: Huber

Jeßmer, U. (1988). Die Ontogenese von geschlechtsbedingten Sprachmerkmalen. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Graz.

Kirchler, E. (1. Auflage, 1995). Lehrbuch der Wirtschaftspsychologie. Göttingen: Hogrefe.

Maltz, D.N., Borker, R.A. (1991). Mißverständnisse zwischen Männern und Frauen-kulturell betrachtet. In S. Gunther, H. Kothoff (Hrsg.), Von fremden Stimmen. Weibliches und männliches Sprechen im Kulturvergleich (S. 52-73). Frankfurt/Main: Suhrkamp.

Oppermann, K., Weber, E. (1995). Frauensprache – Männersprache. Die verschiedenen Kommunikationsstile von Männern und Frauen. Zürich: Orell Füssli.

Schulz von Thun, F. (1999). Miteinander reden. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Differentielle Psychologie der Kommunikation. Band 2. Hamburg: Rowohlt-Verlag.

Tannen, D. (1994). Job-Talk. Wie Frauen und Männer am Arbeitsplatz miteinander reden. Hamburg: Kabel.

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